Samstag, 26. Oktober 2013

Leben ist das was passiert, während man dabei ist andere Pläne zu machen..

Wie soll ich hier eineinhalb Jahre niederschreiben? Das geht nicht, aber..

Mein Papa ist am 19.06.2012 für immer von mir gegangen. Wie sehr kann man einen Menschen vermissen? Was ist passiert seitdem? Es war eine schreckliche Zeit. Sowohl davor der Kampf gegen den Krebs als auch die Zeit danach. Plötzlich war alles anders. Die wichtigste Person in meinem Leben hat den Kampf gegen den bösen Krebs endgültig verloren und ich musste lernen ohne ihn zu leben. Die ersten Monate liefen wie im Film ab, ich konnte mir eine kleine Auszeit nehmen, die ich auch gebraucht habe. Jobveränderungen gab es danach auch und ich arbeite mittlerweile gerne in meinem Bereich. Ja man kann sagen, ich hab endlich meinen Weg gefunden. Jetzt bin ich 25 und momentan in keiner guten Phase, irgendwie rollt sich alles von hinten wieder auf hab ich so das Gefühl. Scheiß Krebs!

Wir hatten noch ein Jahr nach Diagnosestellung. Ein sehr intensives Jahr mit allen Höhen und Tiefen und immer die Hoffnung ganz vorne im Blick. Papa selbst war der letzte, der auch nur ansatzweise zugelassen hat aufzugeben. AUFGEBEN WAR NIE EINE OPTION!
Leider kriegt man nicht immer das was man will..Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich ihm so gern geholfen. Dennoch war ich fast immer an seiner Seite. Er lag in dem Jahr viel im Krankenhaus, ich hab es mir nie nehmen lassen ihm auch dort die Zeit zu vertreiben. Ich bin dankbar für die Zeit die wir hatten.
Besonders seine letzte Woche zu Hause ist mir in Erinnerung. Wir konnten noch so viel reden. Das war schön. Auch wenn er dort schon nicht mehr der Papa war, wie ich ihn kannte. Man hat gemerkt, dass er gegen sich selbst kämpfte, dass die Kräfte weniger wurden und er ruhiger. Nicht mehr so locker losgelöst und fröhlich wie man ihn kannte.

Es ist krass, was Krebs mit einem Menschen macht. Das kann ich nur immer wieder sagen. Doch...

JETZT ist es real.
JETZT fange ich an zu begreifen und zu verstehen.
JETZT weiß ich endlich den Gedanken zu deuten, den ich hatte bevor er starb. Den Gedanken, dass ich es sehr schwer haben werde ohne es wahrhaben zu wollen.

Leider hat es sich bewahrheitet.

Aber ich bin auch gewachsen daran, ich bin eine starke junge Frau geworden, die für die Dinge, die sie erreichen will im Leben kämpft. Ich weiß nun, dass ich alles erreichen kann, wenn ich mich nur anstrenge und der Wille da ist. Nichts scheint eigentlich mehr unmöglich und ich möchte endlich ausbrechen. Ein halbes Jahr noch. Aber wer weiß was sein wird, in diesem halben Jahr.

Er hat auch gekämpft, bis zum Schluss. Vielleicht sollte ich mir das für den Moment wieder in den Kopf rufen.
Wenn mein Papa mir nur nicht so sehr fehlen würde. Wir waren verbunden wie keine anderen zwei Menschen auf dieser Welt. Er war mein Seelenverwandter. Der Mensch, der mich auf den Boden zurückgeholt hat. Der Mensch, dem ich ALLES erzählen konnte. Derjenige der mir gezeigt hat was richtig und falsch ist.

Ich bin ihm so dankbar dafür, dass er mein Papa war. Ich bin dankbar für die tollen 24 Jahre, die wir hatten. Ich schwelge in letzter Zeit oft in Erinnerungen und es tut einfach nur weh, dass ich das was JETZT passiert nicht mehr mit ihm teilen kann.
Andererseits denke ich, dass er von wo auch immer er nun ist auf mich herab sieht und stolz ist, dass ich dennoch meinen Weg gegangen bin, wenn auch mit vielen Tränen.

Ich möchte ihm noch so gern so viel erzählen. So viel mit ihm bereden, nach seinem Rat fragen, seine Stimme am Telefon, die sagt: "Hallo Mausi!". Ich hab ihn heute noch im Ohr. Sein Lächeln, er hat sich immer so sehr gefreut, wenn ich an den Wochenenden nach Hause kam, extra schon Tage vorher gefragt was ich essen möchte.
Dann hat er neben mir am Tisch gesessen und mir völlig zufrieden und lächelnd beim Essen zugeguckt. Dann hat er mit der Außenhand meine Wange gestreichelt, noch lieber gelächelt als sowieso schon und gesagt: "Iss mal meine Mausi" und ich hab glücklich zurück gelächelt.
Dann haben wir oft zusammen unsere Ostpreußen Reportagen im TV gesehen. So oft, noch stundenlang darüber gesprochen wie es früher war. Oder über weltpolitische Themen. Es war so schön und immer vertraut. Ich hab über alles mit ihm geredet, egal ob Job oder Liebe. Und er wusste irgendwie immer ganz genau was das Beste für mich ist. Er wusste es oft schon vorher bevor ich es wusste. Beeindruckend.
Ich bezweifel, dass ich in meinem Leben jemals wieder so jemandem kennen lernen werde.
Mein Papa war und bleibt was ganz besonderes, was andere von außen nicht verstehen können. Selbst meine Mama findet kaum Worte für diese besondere Beziehung.

Papa hat mir gezeigt wie wertvoll mein Leben ist. Und das ist so viel wert.
Deshalb werde ich auch kämpfen gegen diese Krankheit, vor allem dafür, dass ich sie gar nicht erst bekommen werde, auch wenn ich vielleicht nochmal operiert werden muss. Und auch wenn sie mir vielleicht danach sogar noch die Gebärmutter rausnehmen müssen. Trotzdem LEBE ich dann noch, egal wie.

Was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker.

In ewiger Erinnerung an dich, mein lieber Papi. Danke und ich sende dir all meine Liebe, wo auch immer dein Himmel sein mag!

Deine kleine Mausi :*

Sehnsucht

xoxo Hunny

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